Das Fest von Qoyllur Rit'i in Cusco, Peru

15 Juni 2019 (256 Besuche)

Andinische Sitten mit religiösem Hintergrund sind in Peru in Hülle und Fülle zu finden. Zuletzt haben wir über die verschiedensten Feierlichkeiten in Cusco zu Ostern ausführlich geschrieben. Am vergangenen 03. Mai fand auch Cruzvelacuy statt, das Fest des Kreuzes.  Nun steht das synkretische Fest des Herrn von Qoyllur Rit’i bevor. Die Feierlichkeit ist eng mit der Verehrung der Apus (Berggötter) und der Fruchtbarkeit der Erde verbunden. Und es ist Jahrhunderte alt.

 

Qoyllur Rit’i lässt sich als “Schneestern”, oder “leuchtender Morgenstern” übersetzen. Tausende Pilger wandern jedes Jahr zur heiligen Stätte des Herrn von Qoyllur Rit’i am Fuß der Berge Sinakara und Colquepunku. Die Wallfahrt findet jährlich gegen Ende Mai und Anfang Juni statt, doch immer einige Tage vor Corpus Christi –Fronleichnam. Der diesjährige Termin ist vom 15. bis zum 19. Juni, wobei der 17. Juni als Hauptfesttag gilt. Sowohl die mehrtägige Wanderung als auch das Fest um Qoyllur Rit’i stehen seit 2011 auf der Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO.

 

Von der Ursprungsgeschichte des Herrn von Qoyllur Rit’i gibt es, wie so oft, mehrere Versionen. Prominent jedoch sind die Erzählungen der katholischen Kirche zum einen, und Erzählungen über den vorkolumbischen Ursprung zum anderen. Letztere bezieht sich auf die Bedeutung der Sterne, sowie Sonnen- und Mondzyklen für die Inka. Das Fest feiert die Wiedererscheinung der Plejaden, ein Zeichen für die kommende Ernte, und heißt somit das neue Andenjahr willkommen. Der Höhepunkt des Festes findet auch stets bei Vollmond statt.

 

Ein Priester des kleinen Ortes von Ccacta setzte zwischen 1928 und 1946 die heute offiziell geltende Ursprungsgeschichte der katholischen Kirche zusammen. Die Sage erzählt von Mariano Mayta, einem kleinen Quechua-Jungen, der sich gegen 1780 um die Alpakaherde seines Vaters kümmerte. Eines Tages wanderte er über die schneebedeckten Gletscher von Colquepunku, wo er unerwartet auf ein Mestizenkind namens Manuel stieß. Beide freundeten sich rasch an. Wenig später stellt Marianos Vater zu seiner Verblüffung fest, dass seine Herde plötzlich viel größer geworden war. Das konnte nur Manuel gelungen sein, denkt der Vater, und schickt seinen Sohn nach Cusco um als Dankeschön neue Kleider für Manuel zu kaufen. Kurz darauf stellt sich heraus, dass der feine Stoff, aus dem die Bekleidung von Manuel gemacht ist, ausschließlich der Bischof von Cusco tragen darf. Als der Kirche dies zu Ohren kam, ließ sie die Kinder suchen und ausfindig machen. Doch als eine Gruppe von Priestern schliesslich die Kinder fand, verwandelte sich Manuel auf der Stelle in einen Tayanca-Baum (Baccharis Odorata). Vor diesem Anblick geriet sein Freund Mariano in Schock, und kurz darauf verstarb er. Mariano wurde unter dem Stein begraben, wo Manuel zuletzt gesehen war. Viele Gläubige zog es zu der Grabstätte hin. Sie brachten Kerzen und beteten devot vor dem Stein. So kam es, dass die katholische Kirche ein Bild von Jesu am Kreuz auf den Stein malen ließ. Dieses Bild kennt man heute als den Herrn von Qoyllur Rit’i.

 

Um die Wanderung zu bewältigen, muss man zunächst erst mal von Cusco ca. zweieinhalb Stunden nach Mahuayani fahren, ein Ort in der Provinz Quispicanchi. Dort beginnt eine 8 Kilometer lange Wanderung bis zur heiligen Stätte. Unterwegs kommt man an 14 Kreuzen vorbei. Pilger verweilen an jedem Kreuz, zünden Kerzen an und beten, bevor sie ihren Weg weiter zum nächsten Kreuz fortsetzen. Das letzte Kreuz befindet sich an der Gedenkstätte. Dort stehen unzählige Zelte kreuz und quer. Man sollte aber genügend Proviant und warme Kleidung dabei haben, denn hier auf über 4.700 Metern Höhe ist es nachts im Juni extrem kalt.

Eine Tänzerschar begleitet den Wanderer bei seinem anstrengendem Aufstieg. Qoyllur Rit‘i ist ein frommes, aber fröhliches Fest. Neben nationalen und internationalen Touristen kommen andine Delegationen aus den Gemeinden, die den Volksstämmen von Paucartambo und Quispicanchi angehören. Jede Volksgruppe trägt mit ihrer eigenen Kultur und Pracht zum Fest bei. Bunt gekleidete Tänzer und Tänzerinnen der verschiedenen Delegationen stellen feierlich ihre typische Musik und Tänze zur Schau, vor allem am zweiten Festtag. Für Ordnung sorgen die berühmten Ukukus, die sich nicht davor scheuen, ab und zu freche Wanderer zu schubsen oder gar zu peitschen. Die Figur des Ukuku ist die eines Bärenmenschen. Ohne ihre bemerkenswerten Einlagen ist das Fest nicht denkbar. Die Ukukus erklimmen den Berg hinauf bis zu den Gletschern, sie tragen Kreuze und Fahnen mit sich hoch und spielen und amüsieren sich dabei. Sie übernachten oben am Gletscher in aller Kälte, und schleppen am nächstenTag Eisblöcke den Berg hinunter zurück zu den zeltenden Pilgern. Man sagt, dass das Schmelzwasser dieser Eisblöcke große Heilwirkungen für Körper und Geist besitzt. Leider werden heute aufgrund des Klimawandels und der Gletscherschmelze keine ganzen Einsblöcke mehr runtergebracht. Schlimmer noch, es ist zu befürchten, dass die Ukukus in Zukunft wohl überhaupt kein Eis mehr für die Pilger herbeischleppen können.

 

Viele der peruanischen Schüler unserer Sprachschule in Cusco nehmen zusammen mit den Gästen, die bei uns in Cusco Spanisch lernen, am Fest des Qoyllur Rit’i teil. Wir geben immer gerne Auskunft zu den unterschiedlichen Festen und Touren rund um Cusco, sprechen Sie uns an, falls Sie Fragen oder Anregungen haben. Wir sind stets für Sie da!

 

Felix H.

 

 

 

 

 

 

Das Fest von Qoyllur Rit'i in Cusco, Peru



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