Zum Park gehören die
Ruinenstätten Saqsayhuaman, Qenqo, Puca Pucara
und Tambomachay, letztere 8 km von Cusco entfernt.
Sacsayhuaman
2 km nordöstlich der Stadt Cusco (10
Minuten im Auto)
Öffnungszeiten: täglich von 7:00 - 18:00
Sacsayhuaman ist ein Quechua-Wort und bedeutet
Festung des zufriedenen Falken. Und wie ein Falkennest
hängt diese Festungsanlage auch hoch über
Cusco, um jede Bedrohung für die Hauptstadt des
Inkareiches Tahuantinsuyo schon aus großer Höhe
wie mit Falkenaugen von weitem zu sichten.
Der erste und wohl auch bedeutendste Chronist, Inca
Garcilaso de la Vega (1539 - 1616), Sohn einer Inkaprinzessin
und eines spanischen Konquistadors, schwärmte
einst mit folgenden Worten von Sacsayhuaman:
"Dies ist das größte und stolzeste
Werk, das die Inca bauten, um ihre Majestät und
Macht zu demonstrieren. Seine Größe ist
unvorstellbar für alle, die es nicht gesehen
haben."
Sacsayhuaman wurde im 15. Jh. während einer jahrzehntelangen
Bauzeit unter den Inkas Pachacutec und Tupac Yupanqui
errichtet. Man nimmt an, dass mehr als 30.000 Sklavenarbeiter
dieses gigantische Mauerwerk schufen, das von drei
übereinander stehenden, rund 600 m langen und
insgesamt 24 m hohen Zickzackmaueren beherrscht wird.
Allein die untere Mauer ist neun Meter hoch, hier
sind die Steine am größten, nach oben hin
werden sie kleiner. In mühsamer Arbeit wurden
die riesigen Felsbrocken mit Steinmeißeln passgenau
geschliffen und - wie bei allen anderen Inkamauern
auch - ohne Mörtel lückenlos zusammengefügt.
Hoch in den Himmel ragt das aus wuchtigen Granitquadern
gemauerte Eingangstor. Wahrscheinlich sollte sich
der Besucher beim Hindurchgehen in Gegenwart dieses
riesigen Labyrinths klein und verloren fühlen.
Bis heute ist völlig unklar, wie die Inkas die
gewaltigen Steinblöcke, der größte
soll 155 Tonnen schwer sein, von den gut 20 km entfernten
Steinbrüchen hierher transportiert haben. Auch
weiß man nicht mit Sicherheit zu sagen, ob die
Anlage wirklich eine militärische Festung darstellte
oder vielleicht als Lagerstätte und Versammlungsplatz
diente.
Denn in Sacsayhuaman befanden sich auch zahlreiche
Wohnräume und Vorratslager, die von dem Chronisten
Sancho de la Hoz folgendermaßen beschrieben
wurden: "Die ganze Festung war ein Depot von
Waffen, Keulen, Lanzen, Schleudern, Äxten, Schildern,
baumwollgepolsterten Kampfwesten und anderen Waffen
aller Arten und Kleidung für die Soldaten, die
dort aus allen Teilen des von den Herrschern Cuzcos
regierten Reiches zusammengezogen waren."
Vom Inneren der Festung ist heute leider nichts mehr
erhalten, das einstige Labyrinth mit seinen zahlreichen
Gängen und Nischen wurde von den spanischen Eroberern
Stein für Stein abgetragen, um sie für den
Bau ihrer Kirchen, den tragenden Säulen in der
weiträumigen Kathedrale und als Fundamente vieler
Kolonialhäuser zu verwenden.
Auf dem großen Platz in Sacsayhuaman findet
jedes Jahr am 24. Juni, dem Tag der Wintersonnenwende
auf der südliche Halbkugel, das Inti Raymi Fest
statt, es soll an die wichtige Zeremonie der Sonnenanbetung
aus der Zeit der Inkas erinnern. Während der
Kolonialzeit war das Inti Raymi Fest von der Spanischen
Krone unter Vizekönig Toledo verboten. Erst seit
gut 60 Jahren wird es mit einer aufwändigen Inszenierung
von Archäologen und Historikern in Anlehnung
an die Überlieferungen des Chronisten Inca Garcilaso
de la Vega wieder gefeiert. So werden der Inka und
sein enormer Hofstaat für wenige Stunden erstaunlich
lebendig, und die alten Traditionen, Dankeshuldigungen,
Opfergaben und Tänze in einem phantastischen
Spektakel einem breiten Publikum nahegebracht.
Das Fest ist für Touristen eine ganz besondere
Attraktion - von den Einheimischen wird es ironisch
auch mal „Gringo Raymi“ genannt - doch
vermittelt die Aufführung mit Hunderten als farbenprächtige
Inkas verkleideten Akteuren einen Hauch der Magie,
Macht und Bedeutung, die Sacsayhuaman zu Zeiten der
Inkas zukam.
Quenko
3 km nordwestlich der Stadt Cusco
Öffnungszeiten: täglich von 7:00 - 18:00
Quenk’o bedeutet in der Quechua Sprache „das
Gewundene“, frei auch mit Labyrinth zu übersetzen.
Die wirkliche Bedeutung dieser inkaischen Kultstätte
ist wie bei den meisten Ruinenstätten aus der
Inkazeit nicht endgültig entschlüsselt.
Die Anlage besteht aus einem zeremoniellen Vorplatz
in Form eines halbkreisförmigen Amphitehaters
mit einem über 4 m hohen, leider zerstörten
Monolithen eines aufrecht hockenden Pumas. In die
Mauer, die den Platz begrenzt, sind 19 Nischen gehauen,
die wahrscheinlich als Sitzplätze dienten. Vor
dem Platz erhebt sich ein enormer Kalkfelsen, der
rundum mit Figuren wie Lama, Puma, Kondor sowie verschiedenen
Symbolen bedeckt ist.
Insbesondere fällt hier eine ausgeprägte
schlangenförmige Opferrine auf, durch die angeblich
während der heiligen Rituale geweihtes Wasser,
Maisbier (chicha) oder Blut in eine Höhle des
Felsens floss. Möglicherweise wurde diese Höhle
zum Einbalsamieren adliger Toten benutzt, und aus
dem Verlauf der Flüssigkeit in der Opferrinne
deuteten die Priester ein gutes oder böses Omen.
Daher nimmt man heute auch an, dass Qenqo ein Tempelort
gewesen ist, in dem vor der Bestattung Totenriten
zelebriert wurden.
In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass
die Inka eine sehr klare und differenzierte Vorstellung
vom Kosmos hatten. In ihrer Religion war das Universum
in drei Welten, in der Quechua Sprache „pachas“,
aufgeteilt:
Die Überwelt Hanaqpacha, also die göttliche
Ebene, die Unterwelt Ukhupacha, dort lebte die Mutter
Erde, Pachamama, und schließlich die irdische
Welt Kaypacha, die zwischen der Überwelt und
Unterwelt lag.
Die Inka glaubten an den göttlichen Ursprungs
des Lebens, und dass nach dem Tod die Seele ins Hanaqpacha
und der Leib ins Ukhupacha zurückkehren. So könnte
Qenqo der Ort gewesen sein, an dem die Priester das
Ritual der Trennung von Körper und Seele zelebrierten
und zusammen mit den Angehörigen Abschied von
den Verstorbenen nahmen.
Puca Pucara
Gut vier Kilometer hinter Qenqo, ebenso im
archäologischen Park Saqsayhuaman, liegt Puca
Pucara, die „Rote Festung“. Diese Stätte
war vermutlich eines der vielen Tambos, die die Inka
überall entlang ihrer Straßen als Raststätten
sowie Beobachtungs- und Kontrollstationen errichtet
hatten. Tambos dienten aber auch als Waffenlager und
militärische Stützpunkte für strategische
Zwecke, wo die Truppen des mächtigen Inkaheeres
auf ihren Feldzügen versorgt werden konnten.
Auf der Strecke zwischen Cusco und dem Heiligen Tal
gelegen wurde von dieser halbkreisförmigen Anlage
aus, von der heute noch Mauern, Treppen, Tunnel, offene
Räume und Nischen zu sehen sind, ein weites Umfeld
kontrolliert.
Tambomachay
Von Puca Pucara aus führt die Straße
400 Meter weiter abwärts nach Tambomachay, einem
Wasserheiligtum mit frischem Quellwasser, das etwas
abseits der Hauptstraße liegt.
Am Fuße eines Berghügels befinden sich
hier Reste einer Inkastätte, die sich auf vier
Terrassen erstrecken und wahrscheinlich dem Wasserkult
geweiht war.
Über einen Kanal fließt kristallklares
Wasser unterirdischer Quellen aus einer typischen
Inkamauer mit trapezförmigen Nischen und Türen
in ein Steinbecken. Für die Inka bedeutete Wasser
ein heiliges Element, Symbol des Lebens und der Reinheit.
Allen inkaischen Riten gingen Reinigungszeremonien
voraus. Ob sich hier aber auch, wie von einigen vermutet
wird, der Inka zum Baden zurückzog, während
sein Gefolge in dem Tambo Puca Pucara zurückblieb,
ist zweifelhaft. Dennoch wird die Anlage von den Einheimischen
das Bad des Inkas genannt. |