| bei sommerlichen Temperaturen
beginnt hier nun langsam die Regenzeit und bei mir
gibt es den ersten feuchten Fleck an der Wand... Letzten
Donnerstag jedenfalls hat es nicht geregnet!
Zum Glück! Denn letzten Donnerstag habe ich einen
der schönsten Ausflüge in meiner Zeit hier
überhaupt gemacht.
Hintergrundinformation: ACUPARI hat nun schon das
zweite Kinderbilderbuch -“Catalina”- herausgegeben.
Wenn es euch interessiert, schaut mal unter
www.acupari.de/kinderbuch_peru_de.html .
Ich habe die letzte Zeit miterlebt, in der dieses
Buch entstand, habe Original-Bilder bewundert, am
Rande Schwierigkeiten mit dem Verlegen und Drucken
mitgekriegt (hier in Cusco gibt es keinen "Kinderbuchverlag",
keine "Experten" wie in Deutschland). Schließlich
war das Buch dann fertig, und die ersten (ich glaube
es waren 50 oder waren es nur 25?) Exemplare wurden
gerade noch rechtzeitig zur Buchmesse in Lima ausgehändigt.
Das war eine Aufregung (unsere Chefin hat fast einen
Herzkasper gekriegt)! Bei der Buchvorstellung der
“Catalina” hier in Cusco war ich dabei,
habe den Autor/Illustrator kennen gelernt.
Es ist ein sehr schönes Bilderbuch. Die Handlung
ist hier am Ort und in der Vorstellungswelt der Menschen
angesiedelt. Es ist zweisprachig: Quechua und Spanisch.
(Die indigene Bevölkerung auf dem Land spricht
Quechua, die Sprache der Inkas. Spanisch wird wie
eine Fremdsprache in der Schule gelernt. Amtssprache
ist aber Spanisch). Das ganze Bilderbuch-Projekt wird
aus Spenden finanziert. Auch die Verteilung. Und damit
bin ich am letzten Donnerstag angekommen. Da waren
nämlich wieder so an die hundert Bücher
fertig (jedes Buch wird per Hand genäht) und
zur Verteilung bereit. Und ich konnte mitfahren.
Ihr wisst : Es gibt Leute daheim im Ländle, die
einen Vierradantrieb fahren, weil ihr Haus am Hang
liegt oder weil sie Jäger sind... Die würden
sich wundern, wie Flavio mit seinem japanischen Van
(ohne Vierradantrieb) die Dörfer oberhalb von
Urcos erreicht. Die Wege (carretera=Landstraße)
sind in den Hang gegraben, roter, gelber, schwarzgrauer
Ton oder Schiefer, gerade mal eine Fahrspur für
einen PKW, Gegenverkehr gibt es eh nicht, höchstens
mal eine Bäuerin mit Lamas. Angeschnallt sollte
man sein, damit es einem bei dem Gehuppel nicht ständig
gegen den Autohimmel haut. Mein Kollege Dominik: "Flavio,
du liebst dein Auto nicht! Ihr Peruaner seit doch
alle Machos: behandelt eure Autos schlecht und eure
Frauen!" Aber bei lauter Musik hört man
kaum, wenn das Auto aufsetzt.
Rundum karge Landschaft. Steine und Ichu-Gras. Kleine
Felder als Terrassen an den Hang gelegt, der Mais
ist momentan so 20 Zentimeter hoch, die “habas”
("Saubohnen", warum heißen die bei
uns so? Geschält schmecken sie köstlich
und sind hier ein wichtiges Nahrungsmittel neben Mais
und Kartoffeln) kommen gerade aus der Erde. Die wunderbare
Bergwelt ist unbeschreiblich. Schaut auf den Fotos!
Wir besuchen vier Schulen, die sehr unterschiedlich
sind. Unterschiedlich groß (Jahrgangsklassen
mit über 20 Schülern bis zu Zwergschulen
mit insgesamt 17 Schülern), unterschiedlich der
Umgang mit den Schülern (von stramm-diszipliniert
bis liebevoll-verträumt) und unterschiedlich
in der Ausstattung (Personal, Material, Gebäude).
Gemeinsamkeiten: 4 Jahre Schulzeit, lange Fußwege
zur Schule, Rotznasen, Gummisandalen (hier tragen
fast alle Sandalen, die aus Autoreifen gemacht werden,
es gibt zwei Modelle: eins für Frauen/Mädchen,
eins für Männer/Jungen, in unterschiedlichen
Größen) und volle Aufmerksamkeit auf uns.
Flavio hält immer eine kleine Begrüßungsrede.
Stellt uns vor und ACUPARI und das Projekt. Ich beobachte,
dass einzelne Kinder Blicke wechseln oder sich sogar
anstoßen als das Wort "Quechua" fällt.
Blitzeaugen, als die Bücher verteilt werden.
Solche Bücher haben sie noch nie in der Hand
gehabt, in der Qualität. Vorsichtig, andächtig,
öffnen sie die Bücher und beginnen sofort
zu lesen. Gemurmel füllt den Raum, konzentrierte
Arbeitsatmosphäre, Paradebeispiel für "intrinsische
Motivation". Die schlägt sofort um in Lachen,
als die Luftballons und Bleistifte an die Kinder verteilt
werden. Der Lehrer bekommt noch Buntstifte und Malpapier
als Arbeitsmaterial für die Kinder. Lieder werden
als "Dankeschön" gesungen.
In 14 Tagen fährt ACUPARI wieder los in eine
andere Region. Dann wird der nächste Schwung
Bücher fertig sein. Ich werde nicht mitfahren,
sondern brav arbeiten. Außerdem muss sich meine
Nackenmuskulatur noch etwas erholen, die ist noch
verspannt von dem "Gehuppel".
Ich wünsche Flavio, dass er dann noch einen trockenen
Tag erwischt, denn ich kann mir nicht vorstellen,
dass sich die "Straßen" bei den hiesigen
Regengüssen befahren lassen.
Sabine Lauchart
laucharts@aol.com |