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Calatina y la Unkuña Magica
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Buchverteilung in den Hochanden
Ein Bericht von Sabine Lauchart
Sabine Lauchart hat uns im Sommer 2007 in Cusco besucht und erkundigte sich, ob sie bei ACUPARI als Deutschlehrerin ein Sabatjahr verbringen könnte. Sie ist Grund-, Haupt- und Realschullehrerin, in den letzten Jahren war sie freiberuflich als Legasthenietherapeutin tätig.
Seit März 2008 gehört sie zu unserem Team.

Vor ihrer Rückkehr nach Peru nutzte sie die Zeit in Deutschland, um eine Lesung zu veranstalten und für unser Kinderbuch Projekt Spenden zu sammeln. Stolze € 300,- konnte sie uns am 01.02.2008 überweisen. Sabine war am 13. November 2008 bei einer der Buchverteilungen in den Hochanden mit dabei. Beeindruckt von dieser seltenen Erfahrung, hat sie einen e-mail Rundbrief an ihre Freunde nach Deutschland geschickt, den sie uns netterweise zur Veröffentlichung auf unserer Website überließ.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei Sabine.
16.11.08
Liebe Freunde,

bei sommerlichen Temperaturen beginnt hier nun langsam die Regenzeit und bei mir gibt es den ersten feuchten Fleck an der Wand... Letzten Donnerstag jedenfalls hat es nicht geregnet!
Zum Glück! Denn letzten Donnerstag habe ich einen der schönsten Ausflüge in meiner Zeit hier überhaupt gemacht.
Hintergrundinformation: ACUPARI hat nun schon das zweite Kinderbilderbuch -“Catalina”- herausgegeben. Wenn es euch interessiert, schaut mal unter www.acupari.de/kinderbuch_peru_de.html .
Ich habe die letzte Zeit miterlebt, in der dieses Buch entstand, habe Original-Bilder bewundert, am Rande Schwierigkeiten mit dem Verlegen und Drucken mitgekriegt (hier in Cusco gibt es keinen "Kinderbuchverlag", keine "Experten" wie in Deutschland). Schließlich war das Buch dann fertig, und die ersten (ich glaube es waren 50 oder waren es nur 25?) Exemplare wurden gerade noch rechtzeitig zur Buchmesse in Lima ausgehändigt. Das war eine Aufregung (unsere Chefin hat fast einen Herzkasper gekriegt)! Bei der Buchvorstellung der “Catalina” hier in Cusco war ich dabei, habe den Autor/Illustrator kennen gelernt.

Es ist ein sehr schönes Bilderbuch. Die Handlung ist hier am Ort und in der Vorstellungswelt der Menschen angesiedelt. Es ist zweisprachig: Quechua und Spanisch. (Die indigene Bevölkerung auf dem Land spricht Quechua, die Sprache der Inkas. Spanisch wird wie eine Fremdsprache in der Schule gelernt. Amtssprache ist aber Spanisch). Das ganze Bilderbuch-Projekt wird aus Spenden finanziert. Auch die Verteilung. Und damit bin ich am letzten Donnerstag angekommen. Da waren nämlich wieder so an die hundert Bücher fertig (jedes Buch wird per Hand genäht) und zur Verteilung bereit. Und ich konnte mitfahren.
Ihr wisst : Es gibt Leute daheim im Ländle, die einen Vierradantrieb fahren, weil ihr Haus am Hang liegt oder weil sie Jäger sind... Die würden sich wundern, wie Flavio mit seinem japanischen Van (ohne Vierradantrieb) die Dörfer oberhalb von Urcos erreicht. Die Wege (carretera=Landstraße) sind in den Hang gegraben, roter, gelber, schwarzgrauer Ton oder Schiefer, gerade mal eine Fahrspur für einen PKW, Gegenverkehr gibt es eh nicht, höchstens mal eine Bäuerin mit Lamas. Angeschnallt sollte man sein, damit es einem bei dem Gehuppel nicht ständig gegen den Autohimmel haut. Mein Kollege Dominik: "Flavio, du liebst dein Auto nicht! Ihr Peruaner seit doch alle Machos: behandelt eure Autos schlecht und eure Frauen!" Aber bei lauter Musik hört man kaum, wenn das Auto aufsetzt.

Rundum karge Landschaft. Steine und Ichu-Gras. Kleine Felder als Terrassen an den Hang gelegt, der Mais ist momentan so 20 Zentimeter hoch, die “habas” ("Saubohnen", warum heißen die bei uns so? Geschält schmecken sie köstlich und sind hier ein wichtiges Nahrungsmittel neben Mais und Kartoffeln) kommen gerade aus der Erde. Die wunderbare Bergwelt ist unbeschreiblich. Schaut auf den Fotos!
Wir besuchen vier Schulen, die sehr unterschiedlich sind. Unterschiedlich groß (Jahrgangsklassen mit über 20 Schülern bis zu Zwergschulen mit insgesamt 17 Schülern), unterschiedlich der Umgang mit den Schülern (von stramm-diszipliniert bis liebevoll-verträumt) und unterschiedlich in der Ausstattung (Personal, Material, Gebäude). Gemeinsamkeiten: 4 Jahre Schulzeit, lange Fußwege zur Schule, Rotznasen, Gummisandalen (hier tragen fast alle Sandalen, die aus Autoreifen gemacht werden, es gibt zwei Modelle: eins für Frauen/Mädchen, eins für Männer/Jungen, in unterschiedlichen Größen) und volle Aufmerksamkeit auf uns.

Flavio hält immer eine kleine Begrüßungsrede. Stellt uns vor und ACUPARI und das Projekt. Ich beobachte, dass einzelne Kinder Blicke wechseln oder sich sogar anstoßen als das Wort "Quechua" fällt. Blitzeaugen, als die Bücher verteilt werden. Solche Bücher haben sie noch nie in der Hand gehabt, in der Qualität. Vorsichtig, andächtig, öffnen sie die Bücher und beginnen sofort zu lesen. Gemurmel füllt den Raum, konzentrierte Arbeitsatmosphäre, Paradebeispiel für "intrinsische Motivation". Die schlägt sofort um in Lachen, als die Luftballons und Bleistifte an die Kinder verteilt werden. Der Lehrer bekommt noch Buntstifte und Malpapier als Arbeitsmaterial für die Kinder. Lieder werden als "Dankeschön" gesungen.
In 14 Tagen fährt ACUPARI wieder los in eine andere Region. Dann wird der nächste Schwung Bücher fertig sein. Ich werde nicht mitfahren, sondern brav arbeiten. Außerdem muss sich meine Nackenmuskulatur noch etwas erholen, die ist noch verspannt von dem "Gehuppel".
Ich wünsche Flavio, dass er dann noch einen trockenen Tag erwischt, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die "Straßen" bei den hiesigen Regengüssen befahren lassen.

Sabine Lauchart
laucharts@aol.com


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